Sollkostenmodellierung beschreibt die Berechnung der Sollkosten, die bei gegebener Auslastung im Unternehmen entstehen sollten. Sie dient dazu, Abweichungen zwischen geplanten und tatsächlichen Kosten zu analysieren und ist ein zentrales Instrument der Kostenkontrolle im Controlling.
Die Sollkostenmodellierung ist ein zentrales Instrument des Controllings, insbesondere für Unternehmen, die ihre Kosten systematisch überwachen und steuern wollen. Sie beschreibt den Prozess, bei dem die Sollkosten auf Basis der tatsächlich erreichten Beschäftigung berechnet werden, um Kostenabweichungen gezielt zu analysieren und zeitnah gegenzusteuern. Gerade für kaufmännische Leiter, Controller und Unternehmer in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ist die Methode essenziell: Sie liefert objektive Zahlen für eine konsequente Budgetkontrolle und gibt Impulse für die Optimierung von Prozessen und Ausgaben.
- Sollkostenmodellierung berechnet, welche Kosten bei aktueller Auslastung erwartet werden.
- Sie ermöglicht präzise Vergleiche zwischen Soll-, Ist- und Plankosten.
- Das Verfahren erleichtert die Analyse von Kostenabweichungen und unterstützt die Kostenkontrolle.
Was bedeutet Sollkostenmodellierung?
Sollkostenmodellierung ist im Kern die rechnerische Bestimmung derjenigen Kosten, die sich bei tatsächlicher Beschäftigung – also der aktuellen Auslastung – ergeben sollten. Im Unterschied zu Plankosten, die aus den geplanten Mengen und Preisen abgeleitet werden, refokussiert sich die Sollkostenmodellierung auf die Anpassung der Planung an die realen Produktions- oder Leistungszahlen. Das Ziel ist der Soll-Ist-Vergleich: Welche Kosten hätten laut Plan bei der tatsächlichen Beschäftigung entstehen sollen, und wie stark weichen die Istkosten davon ab? In diesem Zusammenhang ist die Methode eng mit der flexiblen Plankostenrechnung verbunden und spielt eine tragende Rolle im Kostenstellencontrolling kleiner wie großer Unternehmen. Sollkosten sind somit keine reinen Zielwerte, sondern repräsentieren das rechnerisch erwartbare Kostenniveau bei aktueller Auslastung, und nicht – wie oft verwechselt – die reinen Istkosten oder die alten Plankosten aus der Anfangsplanung.
Wie funktioniert die Sollkostenmodellierung in der flexiblen Plankostenrechnung?
Die flexible Plankostenrechnung dient dazu, die Plankosten systematisch an die tatsächlich erreichte Beschäftigung oder Produktionsmenge anzupassen. Konkret bedeutet das: Die Modellierung der Sollkosten erfolgt nicht starr anhand der anfänglichen Planmengen, sondern dynamisch und leistungsabhängig. Hierzu werden die festen (fixen) und beweglichen (variablen) Kostenbestandteile differenziert betrachtet. Während die fixen Kosten unabhängig vom Beschäftigungsgrad konstant bleiben, passen sich die variablen Kosten proportional zur Auslastung an, also daran, wie viele Einheiten tatsächlich gefertigt oder Leistungen erbracht wurden. Dadurch lassen sich echte Verantwortungsbereiche und Ursachen für Abweichungen zwischen Planung und Realität herausarbeiten. Die Sollkosten stellen dann das zentrale Vergleichsniveau dar, über das sich die Verbrauchs- und Beschäftigungsabweichung berechnen lassen.,[2]
Wie berechnet man Sollkosten? Formel und Begriffe
Die Standardformel der Sollkostenmodellierung in der flexiblen Plankostenrechnung lautet:
Sollkosten = Fixkosten + (variable Kosten × Istbeschäftigung / Planbeschäftigung)
Die Fixkosten sind periodisch feststehende Kostenbestandteile, etwa für Miete oder Abschreibungen. Die variablen Kosten steigen oder fallen mit der tatsächlich erbrachten Leistung oder Produktion, zum Beispiel Material- oder Energieaufwand. Die Istbeschäftigung beschreibt die tatsächlich erreichte Auslastung (z. B. gefertigte Stückzahl), während die Planbeschäftigung die zu Beginn angenommene Standardmenge ist. Alternativ existiert eine Formel, die den proportionalen Plankostensatz und die geplanten Strukturkosten verwendet:[2]
Sollkosten = (Istleistung × proportionaler Plankostensatz) + geplante Strukturkosten
Diese Formel bietet sich insbesondere an, wenn eine differenzierte Kostenstruktur vorliegt, die separat ermittelte Struktur- und Leistungskomponenten umfasst. Unabhängig von der Formel ist die Grundidee jedoch identisch: Die Modellierung passt die Kostenplanung automatisch an die Realität an, differenziert zwischen fixen und variablen Elementen und schafft damit Transparenz für Auswertungen und Steuerungsmaßnahmen.
Rechenbeispiel: Sollkosten einer Kostenstelle ermitteln
Um die Methode greifbar zu machen, betrachten wir ein einfaches Beispiel aus einem mittelständischen Produktionsunternehmen. Angenommen, die Plankosten einer Kostenstelle setzen sich aus 10.000 Euro fixen Kosten und 20 Euro variablen Kosten je Stück bei einer Planbeschäftigung von 1.000 Stück zusammen. Im betrachteten Monat wurden real 800 Stück produziert (Istbeschäftigung).
Laut Formel berechnen sich die Sollkosten wie folgt:
Sollkosten = 10.000 Euro + (20 Euro × 800 Stück) = 10.000 Euro + 16.000 Euro = 26.000 Euro
Die Sollkosten sagen also: Bei einer Produktionsmenge von 800 Stück hätten nach Planung insgesamt 26.000 Euro an Kosten entstehen „sollen“. Vergleicht man die tatsächlichen Istkosten desselben Zeitraums – etwa 28.000 Euro –, ergibt sich eine Kostenabweichung, die sich im Folgenden analysieren lässt.
Was sagen Soll-Ist-Vergleich und Abweichungen aus?
Der Soll-Ist-Vergleich ist das Herzstück der Kostenabweichungsanalyse. Ausgehend von den berechneten Sollkosten stellt man die tatsächlichen Istkosten gegenüber. Die daraus resultierende Differenz wird als Verbrauchsabweichung bezeichnet. Sie misst, ob (und wie stark) das Unternehmen im Vergleich zu den geplanten Kosten bei Istbeschäftigung tatsächlich sparsam oder verschwenderisch gearbeitet hat. Ergänzend gibt die Beschäftigungsabweichung an, wie sich Änderungen im Beschäftigungsgrad – also Abweichungen zwischen Ist- und Planbeschäftigung – auf die fixen Kosten verteilen. Diese beiden Kennzahlen zusammengenommen bilden die Grundlage für die Gesamtabweichung und erlauben so eine differenzierte Ursachenforschung im Rahmen der Kostenkontrolle.,[2]
Wann ist Sollkostenmodellierung für KMU sinnvoll?
Gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) ermöglicht die Sollkostenmodellierung eine sehr gezielte Steuerung der Kosten – häufig sogar ohne umfassende ERP-Systeme, sondern mit einfachen Excel-Tabellen. Sie macht versteckte Kostenverschiebungen transparent und hilft dabei, ungeplante Überziehungen schnell zu erkennen. Besonders dort, wo verschiedene Kostenarten (z. B. Material, Personal) oder Kostenstellen im Fokus stehen, schafft sie eine fundierte Basis für die operative Steuerung und für gezielte Maßnahmen im Budgetmanagement.
Typische Probleme bei der Sollkostenmodellierung
In der Praxis ist der Begriff „Sollkostenmodellierung“ nicht eindeutig definiert und wird unterschiedlich verwendet: Während das klassische Controlling damit im Wesentlichen die Berechnung und Analyse von Kostenabweichungen verbindet, nutzt man im Einkauf und in der Fertigung zunehmend das Konzept des Should-Cost Modeling, das komplexe Bottom-up-Kalkulationen etwa aus Material-, Arbeits- und Logistikkosten umfasst.[5] Für kleine Unternehmen kann eine sehr detaillierte Sollkostenmodellierung überfordern, wenn geeignete Vorlagen, Software oder klare Strukturen fehlen.[2] Häufig ist die exakte Trennung fixer und variabler Kosten nicht trivial, was zu ungenaueren Ergebnissen oder fehlerhaften Analysen führen kann.
Aktuelle Entwicklungen in der Kostenmodellierung
Bis zum Oktober 2026 ist die Berechnung und Auswertung von Sollkosten dank aktueller Online-Tools und Tabellen-Vorlagen noch transparenter und zugänglicher geworden.[4] Besonders im produzierenden Gewerbe rückt der Begriff „Should-Cost“ (englisch für gerechnete Selbstkosten) weiter in den Fokus – auch durch die Möglichkeit, Kosten aus CAD-Modellen oder Betriebsdaten automatisiert zu ermitteln.[6] Unternehmen, die diese modernen Methoden konsequent einsetzen, profitieren typischerweise von einer gezielteren Kostensteuerung und einer besseren Vorbereitung auf Preisverhandlungen, sowohl intern als auch im Lieferantenmanagement.
Welche Grenzen und Voraussetzungen hat die Methode?
Die Anwendung der Sollkostenmodellierung setzt voraus, dass das Kostenverhalten des Unternehmens zuverlässig zwischen fixen und variablen Bestandteilen trennbar bleibt. Außerdem müssen belastbare Plankostensätze und Beschäftigungsgrößen vorliegen. Bei häufig schwankenden Produktionen oder nicht linearen Kostenfunktionen kann die Aussagekraft der Methode leiden. Für Unternehmen ohne klare Kostenstellenstruktur oder mit vielen Mischkosten sind Anpassungen und fundiertes Controlling-Know-how unabdingbar. Nicht zuletzt bleibt die Qualität der Analyse davon abhängig, wie sauber die Basisdaten gepflegt werden und wie konsequent die Verantwortlichen Kostenabweichungen hinterfragen und Maßnahmen ableiten.
Abschluss: Mehr Transparenz für bessere Kostenkontrolle
Sollkostenmodellierung ist ein bewährtes Werkzeug, um in deutschen Unternehmen Kostenabweichungen präzise zu analysieren und gezielt gegenzusteuern. Sie unterstützt Controller, Geschäftsführer und Arbeitnehmer dabei, das Budget im Griff zu behalten und frühzeitig Maßnahmen einzuleiten, wenn Kosten aus dem Ruder laufen. Die konsequente Methodik, klare Begriffsabgrenzungen und aktuelle digitale Hilfsmittel machen sie gerade für KMU heute unentbehrlich. Wer Sollkostenmodellierung sinnvoll einsetzt, schafft eine belastbare Grundlage für erfolgreiches Finanzmanagement und nachhaltige Unternehmenssteuerung – nicht nur in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten.
Quellen
[2] Sollkosten – ICV – Controlling Excellence (ICV Controlling Excellence)
[4] Sollkosten: Formel, Berechnung & Beispiel | Welt der BWL (Welt der BWL, 2012-02-28)
[5] Was ist Should‑Cost Modeling? | S2V Advisory (S2V Advisory)
[6] Glossar: Herstellkosten, Sollkosten, Maschinenstundensatz · ARCNM (ARCNM)



















